Slash Transition Artist-in-Residence Program, creative europe project

Residency 2026
In den vergangenen Wochen entwickelte der französische Sound Artist Louis Naudin (Überkeine) im Rahmen des SLASH Transition Artist-in-Residence-Programms – einem von der Europäischen Union im Programm Creative Europe geförderten Projekt, organisiert von Openspace Innsbruck – die ortsspezifische audiovisuelle Arbeit Collective Commotion. Aus einem temporären Studio in Halle 1 am Areal St. Bartlmä heraus tauchte Naudin in eines der markantesten postindustriellen Areale Innsbrucks ein – einen selbstorganisierten Kulturraum, der sich als wichtiger Ort unabhängiger künstlerischer Produktion, Experimentierfreude und gemeinschaftlichen Lebens etabliert hat.

Während der Residency untersuchte Naudin, wie Klang, Licht und kollektive Erfahrung Räume für Begegnung, Austausch und Reflexion schaffen können. In St. Bartlmä entwickelte er einen offenen künstlerischen Prozess, der von der Geschichte des Ortes, seinen gegenwärtigen Entwicklungen und den Menschen, die ihn prägen, bestimmt wird. Im Zentrum des Projekts steht eine intensive klangkünstlerische Recherche. Mithilfe speziell angefertigter elektromagnetischer Antennen zeichnete Naudin unsichtbare elektromagnetische Signale des Areals sowie zahlreiche Field Recordings auf. Durch kontinuierliche Bearbeitung, Manipulation und Resampling entwickeln sich diese Aufnahmen zu Basslinien, Drones, Texturen und Rhythmen und formen eine eigenständige Klangsprache, die den Ort selbst in der Komposition hörbar werden lässt.Die Arbeit bezieht sich zudem auf Gespräche mit der lokalen Community über die industrielle Vergangenheit von St. Bartlmä. Erinnerungen an die ehemalige Gießerei, ihre repetitiven Arbeitsabläufe und metallischen Klangwelten werden in langsame, ritualhafte musikalische Strukturen übersetzt, die Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft des Ortes miteinander verbinden.

Parallel zur Klangkomposition entsteht mit Collective Commotion eine immersive audiovisuelle Installation. In Zusammenarbeit mit lokalen Künstler:innen sowie dem künstlerisch-architektonischen Forschungsduo MeAndotherMe wird derzeit eine digitale visuelle Ebene entwickelt, die auf die Anwesenheit und Bewegung der Besucher:innen reagiert und die Installation zu einem lebendigen, durch Teilhabe geprägten Raum werden lässt. Ein poetisches Motiv, das während Naudins Study Visit entstand, ist die Idee der „Fog Pillows“ (Nebelkissen). Ausgehend von Überlegungen zum Nebel und weiterentwickelt durch Gespräche vor Ort wurden sie zu einer Metapher für Unsicherheit, Erwartung und kollektive Vorstellungskraft. Die Fog Pillows stehen sinnbildlich für die fragilen Bedingungen, unter denen unabhängige Kulturorte häufig arbeiten.

Im Verlauf der Residency verlagerte sich der Fokus des Projekts zunehmend über die reine Klangforschung hinaus. Durch das Leben und Arbeiten innerhalb der Gemeinschaft von St. Bartlmä rückten die Menschen, die diesen besonderen Ort gestalten, immer stärker in den Mittelpunkt. Ihre Geschichten, alltäglichen Begegnungen und ihr gemeinsames Engagement für den Erhalt eines unabhängigen Kulturraums wurden zu einem wesentlichen Bestandteil des künstlerischen Prozesses.

Über seine Residency schreibt Louis Naudin:

Das Areal St. Bartlmä ist von den aktuellen Veranstaltungsgenehmigungsregelungen betroffen: Künstler:innen, Designer:innen, Philosoph:innen und die Mitglieder von St. Bartlmä sehen sich mit einem subtilen, aber erdrückenden politischen Manöver konfrontiert, das ihre Arbeit einschränken – und hoffentlich nicht unterdrücken – soll.
Meine Arbeit hier musste vom Ort selbst ausgehen. Gleichzeitig konnte ich nicht anders, als sie den Menschen zu widmen – der Gemeinschaft, die die Mauern von St. Bartlmä mit Leben erfüllt.

Wie könnte man eine Gemeinschaft wirksamer schwächen, als ihr die Möglichkeit zu nehmen, ihre Miete zu finanzieren? Das ist ein direkter Angriff auf Subkultur und zeigt ein mangelndes Verständnis dafür, wie wichtig Räume der Freiheit und des künstlerischen Ausdrucks für das Leben einer Stadt sind.“

Die öffentliche Präsentation von Collective Commotion findet am 9. Juli im Openspace Innsbruck ( die Austellung kann noch bis 11. Juli besuct werden) statt und entsteht in Zusammenarbeit mit dem künstlerisch-architektonischen Forschungsduo Me AndOther Me.

Me AndOther Me ist ein künstlerisches und architektonisches Forschungsstudio mit Schwerpunkt auf neuen Medien. Das Studio erforscht die Zukunft räumlicher Erfahrungen und Kommunikation durch die Entwicklung und praktische Anwendung sozialer Mixed-Reality-Formate. Im Fokus stehen Online-Kultur, alternative Plattformen (Counter-Platforms) und das räumliche Web (Spatial Web). Das Studio wird von den Architekt Cenk Güzelis und Anna Pompermaier geleitet.

Die Besucher:innen sind eingeladen, in die Installation einzutauchen, ihre audiovisuelle Atmosphäre zu erfahren und anschließend gemeinsam über Klang, Gemeinschaft und die Zukunft von Räumen im Wandel ins Gespräch zu kommen.

Programm

19:00–19:30 Uhr
Ankommen, Begrüßung und Einführung

19:30–20:00 Uhr
Immersive Installation

20:15–21:15 Uhr
Artist Talk & Mitwirkende Gespräch
Klang, Gemeinschaft und Transformation – Künstlerische Praxis in Zeiten und Orten des Wandels

Anschließend DJ-Set und informelles Ausklingen.

Ausstellung

Die Installation ist bis Samstag, 11. Juli, täglich von 17:00 bis 19:00 Uhr im Openspace Innsbruck (Mentlgasse 12b) zu sehen.

Am 12. Juli am Abend folgt die Listening Session im Bartibae / St. Bartlmä, mit Louis Naudin und weiteren lokalen Künstler. www.instagram.com/bartibae_

Künstlerische Leitung und Koordination: Danijela Oberhofer Tonković

Herzlichsten Dank an St.-Bartlmä-Community , insbesondere bei SNKTBRTLM, Bartibae, Luca Guarino & David Christian, Verschubu, Zunder Festival, in weiterer Folge an partnerorganisation TREMPO aus Nantes, Christoph Hinterhuber, Marco Russo, Barbara Alt, Julia Hafeman, Danijela Oberhofer Tonković, Charly Walter, MUTANT RADIO sowie allen weiteren Personen, die diese Residency ermöglicht und begleitet haben.

2026:

Five new artists are embarking on a journey of creation and exploration around transitions topics. Selected in September, they will take part in the training program from 8 to 18 December 2025 in Nantes, France, and in the artistic residencies happening during the first semester of 2026.

Tiko Gogoberidze / Louis Naudin / Conny Frischauf

Oussama Menchaoui / Pedro Latas

2024:

ARTIST IN RESIDENCE PRESENTATION:
Giorgi Koberidze (Tbilisi, Georgien)
Artist in Residence, Slash Transition EU Projekt, organisiert von Openspace Innsbruck

Murmur 
Konzert für 4 Glocken / Objekt- und Klanginstallation

In städtischen Wandel gehen oft wesentliche Details verloren – Natur, Kunst, menschliche Fehler und Traditionen – geopfert zugunsten der Sterilität und Kommerzialisierung des Wandels. Dieses Projekt erforscht diese gefährdeten Elemente in Areal St. Bartlmä und widmet ihnen eine leise, intime Klanglandschaft zu ihrem Schutz. Die Glocke wird als interkulturelles Symbol des Schutzes verwendet, insbesondere in der georgischen Tradition.
Das Werk greift auf vier spezifische Klänge zurück: das Rascheln eines Baumes in St. Bartlmä, Aufnahmen von Musikern aus einem Konservatorium, das zufällige Zerbrechen von Glas und das Läuten einer Glocke. Diese Klänge repräsentieren Natur, Kunst/Mensch, menschliche Fehler und Tradition. Durch die Verarbeitung dieser Klänge zu endlosen ambienten Formen schafft das Stück einen Raum, der die Schönheit dessen widerspiegelt, was in Übergangsphasen oft übersehen wird, und bietet einen ruhigen Kontrapunkt zu der Lärmbelastung, die häufig mit urbanen Veränderungen einhergeht. Das Projekt lädt die Zuhörer ein, ganz nah heranzutreten, fast das Ohr an die Installation zu legen, um die feinen, essentiellen Stimmen wahrzunehmen und wertzuschätzen.

Lokale Kollaborationen:
Positive Futures Festival, Klangspuren Festival, St. Bartlmä Gemeinschaft, Grassmayer Glockengiesserei Innsbruck, Cera LAB, Workstation und mehr

Teilnehmende Künstler*innen im künstlerischen Prozess:
Nikolina Zunec, Bertram Schrettl, Ivona Aya, SNKT BRTLM Gemeinschaft, Patrizia Gföller, Belinda Miggitsch, Saw Win Maw, Antonia Neussl und weitere

Über den Künstler aus Georgien:
Giorgi Koberidze ist ein Komponist für elektronische und klassische Musik aus Georgien. Sein künstlerisches Schaffen konzentriert sich auf die nahtlose Verschmelzung von elektronischen und traditionellen georgischen Klängen, was auch das Thema seiner Masterarbeit am Staatlichen Konservatorium von Tiflis war. Dort ist er derzeit als Professor für Musikprogrammierung tätig. Seine neuesten Experimente beschäftigen sich hauptsächlich mit der georgischen traditionellen Musik und haben in dieser Richtung bereits einige Erfolge erzielt, darunter den ersten Preis bei den Tbilisi Conservatoire Composers Awards. Zudem wurde er als „SHAPE+“-Künstler ausgewählt und arbeitet in diesem Rahmen mit einem musikalischen Partner an ihrem gemeinsamen Projekt „Awwwara“. Giorgi ist außerdem Film- und Theaterkomponist. Seine jüngste Filmmusik zu „Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?“ belegte den 2. Platz bei den International Cinephile Society Awards und wurde für die beste Musik beim Deutschen Filmpreis der Kritiker nominiert.
https://www.instagram.com/giorgi__koberidze/

ÖSTERREICHISCHE RESIDENCY-KÜNSTLERIN IN FRANKREICH:

Ursula Winterauer alias Gischt lebt und arbeitet als Komponistin, elektronische Musikproduzentin und Kuratorin in Wien. Ihre eklektischen Soundscapes liefern differenzierte Interpretationen der Genres Industrial, Techno und Ambient, die mittels Bassgitarre, Synthesizer und Elektrosmogwolken reflektiert werden. Ihre Arbeiten setzen sich mit rohen und brutalen Klängen in digitaler Überbestimmheit, auseinander, die mit dem klaren Charakter der eigenen Stimme, die als Instrument verwendet wird, kontrastiert werden. Sie ist Bassistin der Doom Pop Band Eaeres und Teil des Duos The Answer is No mit Maja Osojnik. Winterauer arbeitet als Sounddesignerin
und Komponistin für Film und entwickelt Kompositionen für zeitgenössischen Tanz, ist Mitbegründerin und Labelboss von Ventil Records, Co-Organisatorin und Kaufmännische Leitung
des Unsafe+Sounds Festivals und Kuratorin von New Salt – Festival for sonic exploration & digital
art.


https://www.instagram.com/gischt____/

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