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In den vergangenen Wochen entwickelte der französische Sound Artist Louis Naudin (Überkeine) im Rahmen des SLASH Transition Artist-in-Residence-Programms – einem von der Europäischen Union im Programm Creative Europe geförderten Projekt, organisiert von Openspace Innsbruck – die ortsspezifische audiovisuelle Arbeit Collective Commotion. Aus einem temporären Studio in Halle 1 am Areal St. Bartlmä heraus tauchte Naudin in eines der markantesten postindustriellen Areale Innsbrucks ein – einen selbstorganisierten Kulturraum, der sich als wichtiger Ort unabhängiger künstlerischer Produktion, Experimentierfreude und gemeinschaftlichen Lebens etabliert hat.
Während der Residency untersuchte Naudin, wie Klang, Licht und kollektive Erfahrung Räume für Begegnung, Austausch und Reflexion schaffen können. In St. Bartlmä entwickelte er einen offenen künstlerischen Prozess, der von der Geschichte des Ortes, seinen gegenwärtigen Entwicklungen und den Menschen, die ihn prägen, bestimmt wird. Im Zentrum des Projekts steht eine intensive klangkünstlerische Recherche. Mithilfe speziell angefertigter elektromagnetischer Antennen zeichnete Naudin unsichtbare elektromagnetische Signale des Areals sowie zahlreiche Field Recordings auf. Durch kontinuierliche Bearbeitung, Manipulation und Resampling entwickeln sich diese Aufnahmen zu Basslinien, Drones, Texturen und Rhythmen und formen eine eigenständige Klangsprache, die den Ort selbst in der Komposition hörbar werden lässt.Die Arbeit bezieht sich zudem auf Gespräche mit der lokalen Community über die industrielle Vergangenheit von St. Bartlmä. Erinnerungen an die ehemalige Gießerei, ihre repetitiven Arbeitsabläufe und metallischen Klangwelten werden in langsame, ritualhafte musikalische Strukturen übersetzt, die Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft des Ortes miteinander verbinden.
Parallel zur Klangkomposition entsteht mit Collective Commotion eine immersive audiovisuelle Installation. In Zusammenarbeit mit lokalen Künstler:innen sowie dem künstlerisch-architektonischen Forschungsduo MeAndotherMe wird derzeit eine digitale visuelle Ebene entwickelt, die auf die Anwesenheit und Bewegung der Besucher:innen reagiert und die Installation zu einem lebendigen, durch Teilhabe geprägten Raum werden lässt. Ein poetisches Motiv, das während Naudins Study Visit entstand, ist die Idee der „Fog Pillows“ (Nebelkissen). Ausgehend von Überlegungen zum Nebel und weiterentwickelt durch Gespräche vor Ort wurden sie zu einer Metapher für Unsicherheit, Erwartung und kollektive Vorstellungskraft. Die Fog Pillows stehen sinnbildlich für die fragilen Bedingungen, unter denen unabhängige Kulturorte häufig arbeiten.
Im Verlauf der Residency verlagerte sich der Fokus des Projekts zunehmend über die reine Klangforschung hinaus. Durch das Leben und Arbeiten innerhalb der Gemeinschaft von St. Bartlmä rückten die Menschen, die diesen besonderen Ort gestalten, immer stärker in den Mittelpunkt. Ihre Geschichten, alltäglichen Begegnungen und ihr gemeinsames Engagement für den Erhalt eines unabhängigen Kulturraums wurden zu einem wesentlichen Bestandteil des künstlerischen Prozesses.
Über seine Residency schreibt Louis Naudin:
Das Areal St. Bartlmä ist von den aktuellen Veranstaltungsgenehmigungsregelungen betroffen: Künstler:innen, Designer:innen, Philosoph:innen und die Mitglieder von St. Bartlmä sehen sich mit einem subtilen, aber erdrückenden politischen Manöver konfrontiert, das ihre Arbeit einschränken – und hoffentlich nicht unterdrücken – soll.
Meine Arbeit hier musste vom Ort selbst ausgehen. Gleichzeitig konnte ich nicht anders, als sie den Menschen zu widmen – der Gemeinschaft, die die Mauern von St. Bartlmä mit Leben erfüllt.
Wie könnte man eine Gemeinschaft wirksamer schwächen, als ihr die Möglichkeit zu nehmen, ihre Miete zu finanzieren? Das ist ein direkter Angriff auf Subkultur und zeigt ein mangelndes Verständnis dafür, wie wichtig Räume der Freiheit und des künstlerischen Ausdrucks für das Leben einer Stadt sind.“
Die öffentliche Präsentation von Collective Commotion findet am 9. Juli im Openspace Innsbruck ( die Austellung kann noch bis 11. Juli besuct werden) statt und entsteht in Zusammenarbeit mit dem künstlerisch-architektonischen Forschungsduo Me AndOther Me.
Me AndOther Me ist ein künstlerisches und architektonisches Forschungsstudio mit Schwerpunkt auf neuen Medien. Das Studio erforscht die Zukunft räumlicher Erfahrungen und Kommunikation durch die Entwicklung und praktische Anwendung sozialer Mixed-Reality-Formate. Im Fokus stehen Online-Kultur, alternative Plattformen (Counter-Platforms) und das räumliche Web (Spatial Web). Das Studio wird von den Architekt Cenk Güzelis und Anna Pompermaier geleitet.
Die Besucher:innen sind eingeladen, in die Installation einzutauchen, ihre audiovisuelle Atmosphäre zu erfahren und anschließend gemeinsam über Klang, Gemeinschaft und die Zukunft von Räumen im Wandel ins Gespräch zu kommen.
Programm
19:00–19:30 Uhr
Ankommen, Begrüßung und Einführung
19:30–20:00 Uhr
Immersive Installation
20:15–21:15 Uhr
Artist Talk & Mitwirkende Gespräch
Klang, Gemeinschaft und Transformation – Künstlerische Praxis in Zeiten und Orten des Wandels
Anschließend DJ-Set und informelles Ausklingen.
Ausstellung
Die Installation ist bis Samstag, 11. Juli, täglich von 17:00 bis 19:00 Uhr im Openspace Innsbruck (Mentlgasse 12b) zu sehen.
Am 12. Juli am Abend folgt die Listening Session im Bartibae / St. Bartlmä, mit Louis Naudin und weiteren lokalen Künstler. www.instagram.com/bartibae_
Künstlerische Leitung und Koordination: Danijela Oberhofer Tonković
Herzlichsten Dank an St.-Bartlmä-Community , insbesondere bei SNKTBRTLM, Bartibae, Luca Guarino & David Christian, Verschubu, Zunder Festival, in weiterer Folge an partnerorganisation TREMPO aus Nantes, Christoph Hinterhuber, Marco Russo, Barbara Alt, Julia Hafeman, Danijela Oberhofer Tonković, Charly Walter, MUTANT RADIO sowie allen weiteren Personen, die diese Residency ermöglicht und begleitet haben.

